Es gibt keine Zufälle!

Es sind heute genau 3 Jahre um, seid ich diesen Hund bekommen habe. Und was hat er alles in meinem Leben bewegt und verändert. Der Wahnsinn!

Wenn man überlegt, wie er schon allein zum Trainer kam, dann kann man heute mit Gewissheit sagen, es war alles geplant. Von wem auch immer. Sein Weg sollte so und nur so gehen!

Er war jung, zu jung, als das ihn der Trainer hätte haben wollen. Dieser nimmt keine Hunde im Alter von etwa 8 Monaten auf für die Ausbildung zum Blindenführhund. Ist ein zu großes Risiko und Geldverlust, wenn er dann Monate später nicht gesund wäre.
Aber sein Charme und vor allem sein Wesen haben den Trainer so derart beeindruckt. Er nahm ihn mit. Obwohl schon die Autofahrt fast das Ende bedeutet hätte. Der Trainer vertraute sich und dem Hund und fuhr weiter.

Und wie freute er sich bei mir auf Fahrten mit den Öffis oder den Zügen. Kann man gar nicht mehr glauben, dass er mal anders drauf war. Er war ja zu tiefst beleidigt, wenn der Bus auf der anderen Seite da stand und nicht bei uns kam. :-)

Während der Ausbildung wurde dieser Hund ein sehr wichtiger Partner für die Enkelin des Trainers. Sie bekam Selbstbewusstsein und wurde anders gesehen durch diesen großen Lulatsch, wenn der Trainer ihr den Hund vor der Schule übergab und sie mit ihm los zog. Was für ein Hund, neben diesen jungen Mädel und er öffnete auch schon ihr, auf seine Art und Weise, seinen Dasein eine neue Anerkennung!

Er wurde zweimal geröntgt und das musste auch sein. Es gehörte zu seiner Geschichte dazu. Eine falsche Lagerung, die selten vorkommt.

Er war verplant für eine Dame in München und der Trainer bemerkte bei dem näher kommenden Übergabetermin seine Zweifel. Er tat sich damit schwer. Sie wurden bestätigt und er entschied, dass der Hund zu mir kommt. Auch so wurde es noch nie gemacht. Zwei Wochen lang vorab zum Kennenlernen und abnabeln und dann für immer.

Selbst die Einarbeit war anders, als sonst. Sie war kurz, nicht wie sie geplant war. Der Trainer wurde auch noch krank und so lief alles anders. Die Prüfung wurde gemacht. Der Lauf vor der Prüferin war gut und als wenn er es wußte, benahm er sich gleich anders, als die Prüferin bei einem Kaffee ihr Ergebnis verkündete. Wir mussten lachen über ihn und waren uns einig, dass es für ihn anstrengend war.

Er war keine 2 Jahre alt, als er kam, wog 39 Kilogramm und seine Höhe war 75 cm Schulterhöhe. Ein Hund mit langen Beinen und er bestand nur aus Haut und Knochen. Heute ist er gut bemuskelt und bringt 46 Kilo auf die Waage und hat noch 3 cm dazu gelegt. Für mich kommt auch nie wieder so ein zu früh kastrierter Hund in Frage. In gut 3 Monaten wird er fünf Jahre alt und ich rechne damit, dass er noch gut 5 Monate braucht, bis er den Stand erreicht hat, den er mit vier hätte haben können.
Mir ist auch völlig klar, dass er noch hätte länger bei dem Ausbilder sein sollen und man ihm noch ein wenig Zeit gegeben hätte. Er war keine 2 Jahre alt, als er diese verantwortungsvolle Arbeit ausführen sollte. Und das auch noch in Berlin. Na klar, sein Nervenkostüm gibt das her, aber ich habe es ja an anderer Stelle bemerkt, dass es ihn überfordert hat.
Wegen seiner Höhe habe ich ihn auch bei bestimmten Terminen gar nicht mehr mitgenommen. Seine Rückenschmerzen kamen ja nicht von ungefähr und so konnte ich ihm das ersparen, bis er endlich mehr Muckis auf der Wirbelsäule hatte. So ein großer Hund macht sich nun mal schlecht im ICE, im Bus oder in engen Räumen und Restaurants.
Für mich das kleinere Problem, dort dann ohne ihn hin zu gehen, denn leiden braucht er nicht und danach ist "Frau" ja bekanntlich immer schlauer.

Alles nahm seinen Lauf

Die Umwelt verändert den Hund!
Ja, gewiß ein richtiger und wichtiger Satz, den ich immer wieder hörte von dem Ausbilder. Nun, dass dieser junge Hund dies durchmachte, war mir sehr schnell klar. Es folgten Auf und Abs in unserem Zusammensein und da der Trainer nicht konnte, machte ich mich auf den Weg, damit ich den Hund besser einordnen konnte.

Was war dieser Hund in den ersten 2,5 Jahren krank und beim Arzt. Es fing mit den Ohren an, Vollnarkose. Ging über kaputte Pfoten und Magensachen bis hin zur nächsten Vollnarkose, weil ihm leider einer seiner größten Zähne hinten gezogen werden musste. Ein junger, gesunder Reißzahn war gebrochen! Irre!
Wieviele Massagen waren schon notwendig, weil dieser Riesenkerl Rückenschmerzen hatte.

8,5 Jahre habe ich mir gewünscht, dass Hero mal laut wird.. nun habe ich es und ich genieße es. Er sagt, wenn ihm was nicht passt, er jault, er singt, er kaut Kaugummi und er ist einfach nur fröhlich unterwegs. Er latscht durch die Gänge oder die Wohnung und ist so wundervoll zu hören mit seinem großen Pfoten. Er kann ein richtiger Trampel sein und mit seinem Charme verzeiht man ihm schnell

Sein Erscheinen, das erste Mal in meiner Wohnung, bestand aus dem riesigen Kopf, der gleich überall war.. wie damals das erste Treffen mit ihm oben auf dem Berg im Erzgebirge. Dieser Hund bestand für mich nur aus Kopf und offenen Maul:-)

Man bekommt den Hund, den man braucht!

Jaaaaaaaa, das stimmt! Er kam und hat mein Leben voll aufgemischt. Dieser lebensfrohe, laute und temperamentvolle Charmingboy, der dann auf der anderen Seite so angenehm ruhig und unbeeindruckt neben mir verweilt. Der sich umbringen kann vor Freude und umher latscht und unruhig wird, weil er lieber mit mir auf der Couch kuscheln will, als das ich am PC sitze und arbeite.

Dieses dünne Gerippe mit den schlaksigen Beinen, die nicht wußten, wie sie gesetzt werden sollen. Dieser Riese, der sich ins Gras laut schnaufend wirft und dessen Kopf an alles heran zu kommen scheint,
Der Hund, der jeden verrät, der sich an den Straßenrand stellt und uns nur mal eben beobachten will.

Er mischte mein Leben auf und brachte mich zu wundervollen Menschen, wie...

... und letztendlich zu mir selbst. Ich räumte auf und wir zogen um. Wir sagten uns los von Dingen, die uns nicht gut tun und sind seit dem noch näher. Er spiegelt mich wunderbar und an ihm merke ich, was bei mir gerade nicht stimmt!

Immer wieder lies er sich Neues einfallen und damit ich sicher gehen konnte und sein Verhalten wirklich nicht in die aggressive Lage rutscht, habe ich Anfang des Jahres auch noch bei Thomas Baumann gesessen und ein Gutachten erstellen lassen. Das war ein guter Weg und für mich die Gewissheit, dass dieser Hund in keinem Falle aggressiv ist und wird. Er ist mir gegenüber respektlos und pöbelig, hat seinen wunderbaren großen Kopf ja nicht umsonst :-) und bringt mich immer wieder dazu, konsequent zu bleiben.

Durch die letzten Monate wurde ich aber auch von Jeanette begleitet. Keine Ahnung wieviele WhatsApp Nachrichten wir so durch das Universum jagten und wieviel Stunden an Telefonaten zusammen kamen. Aber ohne sie wäre es nie etwas geworden. Wir hatten viel Spaß und viele Erkenntnisse. Diese werden auch gewiß nicht enden und ich schätze sie sehr. Sie ist wundervoll und ich verbeuge mich vor ihrem großen Schatz an Wissen und möchte sie nicht mehr missen! Danke dir!

Er erhält heute schon einen besonderen Platz in meinem Herzen, wie all seine Vorgänger.

Durch ihn bin ich einen Weg gegangen, der mich in die Mitte gebracht und meine Selbstheilungskräfte aktiviert hat.

Wie immer es mit uns weitergeht wird die Zeit zeigen. Es gibt keine Zufälle und wenn etwas geschieht, woran ich heute noch nicht denken kann, dann werden wir weiter sehen. In meinem Herzen hat dieser Hund seinen besonderen Platz in jedem Falle für immer erhalten. Ich danke dir für alles, Poseidon!

22.09.2017 - Berlin

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