Geschichten aus dem Alltag!

Neulich auf der Feuerwache

Wegen Auskünften zu dem Thema "Brandschutz" brauchte ich Informationen. Wer könnte da effektive Auskunft geben? Na klar! Die Feuerwehr! Ein Gedanke, ein Weg. Ich ging also zu meiner Feuerwache hier.

Was kann ich für Sie tun? kam die Frage von einen Mann aus der Wache. Ich erzählte, dass ich für einen Hundeplatz in Sachen Brandschutz unterwegs sei, da ich ja den Brand als erste sehen würde:-) und hätte einige Fragen. Der Mann lächelte wohl ein wenig vor sich hin und meinte: Jaja, sie sehen den Brand gewiß zuerst. Ich daraufhin: Nö, aber ich rieche ihn gewiß eher, als Sie!

Er verstand dann wohl meine Ironie dabei und hörte weiter zu. Es ging um Feuerlöscher, die es vielleicht gibt, die auch Menschen mit eingeschränkter Handmotorik bedienen könnten oder in welchen Größen die Löscher wären und so einiges mehr. Ernüchternd war dann die Ansicht des Feuerwehrmannes, denn er meinte dann in allem Ernst: Nun, dass ist doch auch eigentlich egal, was oder ob es behindertenfreundliche Löscher gäbe, denn wir, die Behinderten, können doch sowieso nicht alleine auf dem Platz sein! Auf mein erstauntes Warum denn bitte nicht? kamen nur fadenscheinige Ausflüchte und Ausreden. Ich bin wieder mal sprachlos und habe ihm versucht zu erklären, dass auch behinderte Menschen durchaus in der Lage sind, alleine zu leben, alleine zu einem Platz zu fahren, diesen aufzuschließen und auch alleine sich dort Kaffee zu kochen.. Ich konnte nur den Kopf schütteln.

Ich emfinde es immer wieder als das schlimmste, wenn ich auf Menschen treffe, wie Polizisten oder Feuerwehrmänner, die sooooo weltfremd und behinderten-unfreundlich denken und handeln. Denen es an Fantasie und vor allem, an der Vorstellungskraft fehlt, wenn es um solche Themen geht! Gott sei dank hatte ich bei meinen diversen Besuchen dieser Feuerwache auch schon mit anderen sehr offenen Männern zu tun und bin bei dieser Wache weiterhin guter Dinge - für den Fall, dass mir mal was passiert!

Neulich auf der Straße

Ich muss vorweg schicken, dass ich "grundsätzlich" gekennzeichnet bin und das in großen Maße:-) also mit Langstock, mit einem Button (drei schwarze Punkte auf gelben Grund) am Jackenkragen und ja den Führhund an der Leine oder im Geschirr. Und trotz alledem scheine ich nicht genug "Hinweise" zu tragen..

Auf dem Weg zum Bus. Ich laufe in der rechten Hand ein Langstock und in der linken die Flexleine meines mit Kenndecke gekennzeichneten Führhundes, als ich bemerke, dass mir was entgegen kommt, laufe mehr links. Auf meiner Höhe höre ich eine keifige Frauenstimme:
"So! Nun schau mal, eine blinde Frau! Hast du gesehen, sie trägt das Blindenzeichen am Kragen der Weste" Ich grinse in mich rein und lausche auf die Antwort, die mittlerweile an mir vorbei gezogene Mutter wiederholte: "Haste gesehen?" Das Kind in einem lauten gelangweilten Ton: "Nöööö!" Die Mutter hörbar enttäuscht.
Daraufhin drehe ich mich um und erwidere, die rechte Hand nach vorne streckend: "5 Euronen und ich laufe nochmals an ihnen und ihrem Kind vorbei!" keine weitere Reaktion! Wie die Affen im Zoo sing ich vor mich hin und dackel meines Weges.

..und dann im Bäcker

Es muss eine neue Verkäuferin gewesen sein, die mich da fragte, beim zusammenpacken meiner Bestellung: "Aaaach wie süüüüüß ist der Hund. Wie heißt er denn, der hüüübsche Prachtkerl?" Ich sage: "Backhaus. Frau Backhaus" "Ach was? Ist ja drollig, ein witziger Hundename" kommt von ihr zurück und sie reicht mir die Tüte. Au weia!

Beim Fleischer

ich bin dran und bestelle zwei Scheiben durchwachsenes Schweinekotelett. Stimme hinterm Tresen: "Wie sieht das aus? Wären Ihnen diese Scheiben so recht?" Bing, bing, bing..

An einer Bushaltestelle

Ich stehe an einer Bushaltestelle. Im Rücken ist eine Seniorenwohnanlage. Der gelbe Haltepfahl ist links von mir und meinem Hund, etwa einen halben Meter entfernt. Wir stehen direkt an der Bordsteinkante. (man muss wissen, dass die Berliner Busfahrer hier so geschult sind, dass sie stets vor dem Blinden mit Langstock stehen bleiben und die Tür öffnen. So braucht man als Blinder nicht die Tür suchen oder gar das Blinkerlicht beschädigen:-))
Zwei ältere Damen kommen aus der Wohnanlage. Man hört auch Gehhilfen und sie trappieren sich noch weiter hinten links, so dass sie schon auf der anderen Seite des Haltepfahls sind. Das Gespräch beginnt mit: "Aaaaahhhh, das ist ja ein Blindenführhund.. ah jaaa, was machen wir denn jetzt? Ich hab ja doch viel Angst" die andere erwidert, dass sie auch Angst hätte und sie kommt sofort mit dem Nachsatz: "Aber ich muss ja auch mal wieder zum Augenarzt! Mein Gott, meine Lesebrille wird ja auch immer schlechter" Ich höre den Bus kommen und denke noch so, na mal sehen, wo der jetzt hält.
Der Bus hält direkt vor meiner Nase:-) beim Tür öffnen höre ich von hinten "Jetzt drängelt die sich auch noch vor!! Frechheit, unmöglich!" Ich steige ein und besetze unseren Lieblingsplatz. Die beiden Damen scheuchen zwei ältere Herren auf. Man beachte, der ganze Bus ist leer, weil er dort erst einsetzt. Der eine Mann steht bei mir an der Tür und bemitleidet die armen Damen und meint, sie sollten doch ihren Hintern zu Hause lassen. Die eine kommt mit einem "Na, na, na!" Er dazu: "Na dann schafft euch doch Männer an, die für euch einkoofen" Die patzige dazu "Den hab ich 35 Jahre gehabt!" Er: "Und? War zuuuu langweilig, watt" Er lacht dabei und steigt aus.. Berliner Busgeschichten:-)

Unverschämte Fragen

Ich stehe an einer Bushaltestelle und warte. Eine wildfremde Frau kommt dazu und fragt einfach drauf los: "Sind sie blind?" ich: "Ja" Sie weiter "So richtig.. ganz blind? Also sie können nix mehr sehen?" ich erwidere genervt: "Jaaaa" Die Frau springt wie eine Blöde auf die Straße vor mir und fuchtelt mit den Händen vor meinem Gesicht.
Ich frage jetzt mal Sie, den Leser, ehrlich, was soll man dazu noch sagen? Wir Blinde sind einfach nur geschockt. Wie kann man einen wildfremden solche Fragen stellen? Ich habe Rollifahrer mal gefragt, wie oft sie von fremden Menschen angesprochen werden, ob sie noch ein wenig laufen können oder total gelähmt sind? Antwort: ne, noch nie.. das macht mich noch sprachloser:-)

Ein aufmerksamer Partner mit liebenswerten Blick eines deutschen Schäferhundes Ein Blinder mit Führhund läuft eine Straße entlang und an einer Augenarztpraxis vorbei. Er läuft da vorbei, weil er da auch nicht hin wollte. Dies kann öfters vorkommen.. nur mal so:-)
Eine Passantin läuft ihm aufgeregt hinterher und hält ihn am Arm fest "Komm sie, komm sie, ich bring sie eben" Der Blinde bleibt stehen und dreht sich um, erwidert "Ach ja? Und wohin wollen Sie mich denn bringen?" "Na zu dem Augenarzt, sie sind da eben an der Tür vorbei gelaufen" Der Blinde daraufhin milde lächelnd "Meinen Sie denn nicht, dass das schon zu spät ist" Schluck.. upps

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