Verliert er sein Gleichgewicht, so habe ich es schon längst verloren!

Ich glaube daran, dass alles im Leben mit Absicht geschieht. So auch, dass dieser Hund vor einem Jahr zu mir kam. Er war nicht für mich bestimmt und doch kam es dazu, dass wir mit viel Aufregung, hoffen und bangen, zusammen gekommen sind. Wir hatten gerade in dieser Zeit vor einem Jahr mit der Einarbeitung begonnen.

Was für Auf und Abs habe ich in diesem Jahr erlebt. Das Zueinander finden war manchmal belastend und doch hörte ich immer wieder diese positiven Beschreibungen über diesen Hund vom Trainer bei der Übergabe und bei der Einarbeitung.

Das er sich verändert hat, ist vollkommen logisch und auch gut. Das heraus finden warum gerade dieser Hund zu mir kam und was seine Aufgabe für mich ist, dass ist spannend zu erleben. Das er eine Botschaft, eine Aufgabe hier hat, steht für mich fest!

Er zeigte mir in den letzten Wochen sehr deutlich, was ihn stört. Er war gestresst und ich musste mich anders beobachten. Suchen nach dem Warum? Und ich musste mir eingestehen, dass ich selber unglücklich, gestreßt bin, hier in der Wohnungssituation, im Alltag. Das berühmte Thema mit meiner Lieblingsampel hier war eines. Der damit verbundene Lärm und ewige Krach war es vielmehr. Was nützt mir der kurze Weg zum Bus oder zum Lebensmittelladen, wenn er hässlich laut ist.

Als wir 2006 hierher gezogen sind, war Hero 2 Jahre bei mir. Damals wohnten wir ruhiger und die oben benannten Wege waren länger, aber um vieles angenehmer und leiser!

Hero wuchs hier in den Lärm hinein und wollte im Alter auch nicht mehr in diese Stadt. Damals sah ich es anders, er hatte 8 Jahre gearbeitet und war alt. Dieser junge Mann hier ist voller Elan, Kraft und Freude und fährt gerne mal in die Stadt. Aber er spiegelt mich bereits sehr gut wieder und er zwingt mich an mich zu denken.

2006 zogen wir aus der ruhigen Wohnung, weil wir mit einer Nachbarin und deren bösartigen Hündin nur Frust und Ärger hatten. Ich lebte immer mehr nach der Uhrzeit und ging nur noch gezielt raus. Hier ist es doch bald genauso. Bloß nicht vor 8 Uhr gehen, wegen den ganzen Kindern und schroff fahrenden Eltern, wegen der Ampel, wegen dem Berufsverkehr und und und..

Immer mehr keimt der Wunsch auf nach einer Veränderung. Immer wieder höre ich Werner reden. Er wollte hierher noch umziehen, aber das sei das letzte Mal. Er ist viel umgezogen und wollte nicht mehr. So gesehen hat er es ja auch geschafft:-) und ich?? ich habe ihm das Versprechen nie abgenommen und ich wohne jetzt schon wesentlich länger hier alleine, als mit ihm. Die Wohnung ist schön, ohne Frage. Für mich zählt das jetzt aber nicht mehr und er wird in meinem Herzen weiter mit mir umziehen. Ich werde zusehen, dass ich die von ihm gebauten Dinge mitnehmen kann. Das ist das wichtigste dabei.

Endlich mal ich und nicht die anderen!

Ich werde nun aber auf meine Wünsche und auf meine Bedürfnisse achten und sie umsetzen. Ich werde an mich und an den fabelhaften Hund dabei denken und uns eine schöne, kleinere und ruhigere Oase suchen. Damit wir das Leben genießen können - ohne schlechten Gewissen!

Der Wunsch, den Jakobsweg zu gehen. Allein und in Stille kam weit vor dem Hund und ich konnte nie so richtig sagen, warum?? Nun weiß ich es… Es schaudert mich, wenn ich bedenke wie lange ich schon hier unglücklich bin..

Die Aufgabe dieses Hundes ist also klar definiert: Er zwingt mich Dinge zu ändern und an mich zu denken. Anders mit dem Andenken umzugehen, nicht aus falschen Respekt vor der Vergangenheit regelrecht zu versauern.

Er gibt mir von seiner Kraft ab. Genauso wie wir beide aus unseren einsamen, ruhigen Spaziergängen Kraft schöpfen für die laute Stadt, den *noch* lauten Alltag.

Er gibt mir von seiner Freude ab. Seine überschwängliche Freude in manchen Situationen verblüfften mich immer wieder. Ich habe hier gewiss auch die falsche Interpretation gewählt und war nicht ehrlich zu mir selbst. Es sind Situationen, die mich überfordern, die mich nerven und er agierte ganz einfach auf seine Weise. Seitdem ich das für mich erkannt und eingestanden habe, geht es mir besser und *ich* muss mich ändern und nicht diesen Hund.

Ich habe keine Angst mehr vor den Veränderungen. Ich weiß, dass sie uns beiden gut tun werden. Nein, ich freue mich darauf!
Ich laufe durch die Wohnung und sehe sie mit anderen Augen. ich schaue in die Schränke und entmiste... und es geht mir gut damit und dabei!

Danke, dass dieser Hund zu mir gefunden hat, dass er mir geschickt wurde - gerade in dieser Zeit - zu diesem Ort. Danke!

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