Hörchen an, Hörchen aus..

Es gibt sehr viele Situationen in denen ich mir wünschte, ich hätte "Hörchen", die ich beliebig ein und ausschalten könnte!

Ja, ehrlich, ich bin neidisch, als Raucherin, stundenlang in einem Raum zu sitzen und dem Seminar zu lauschen. Einerseits ist das Seminar spannend und andererseits juckt die Lunge und man hofft auf eine Pause..

Marina geht da dann auf Toilette und anschließend eine rauchen. Sie kommt nicht wieder oder braucht es nicht, weil dann auch für die anderen die Pause kommt. Wir sehen uns draußen und sie erzählt mir voller Elan von den letzten Minuten des Seminars.. ich schaue sie verwundert an, ein Dieter kommt und bringt ihr das "Mikro". Meine Verwunderung bleibt bestehen, ich frage nach dem Ding und kriege die Antwort in einer selbstverständlichen Geste erklärt.

Fassungslos und neidisch bin ich da schon.. wo hätte ich überall dieses Mikro "ausversehen" liegen lassen? Im Lehrerzimmer, im Direktorenzimmer, auf der Damentoilette in der Firma, bei Team Besprechungen und und und.. da fallen mir sooo viele Orte ein? Ein herrlicher Gedanke!!

Und dann gibt es die eher unschönen Situationen, wo ich mir wünsche: Das haste jetzt nicht gehört!

Ahnungslos und bepackt vom Einkauf steht man an der Kassenschlange, hat damit zu tun, ob man alles hat, ob man der Schlange folgen kann, das Geld raus kramen und möglichst nicht vergreifen in den Scheinen und dann kommt so ein "wird Zeit, dass der Adolf noch mal kommt und hier aufräumt"

Nein, nein, nein, das hab ich falsch gehört? Beim Umdrehen nehme ich zwei Knirpse war, die wohl echt nicht mitreden können und bin einfach nur gelähmt vor Schock. Vor solchen Äußerungen von Menschen, die das alles nur noch von Büchern kennen und so hohl in der Birne seien müssen..

Der Laden ist voll, die Schlange ist es hinter denen auch, die Kassiererin ist unmittelbar, aber hören tut dies wohl keiner. Keiner entrüstet sich über diese Worte.. mann kommt noch mehr ins Grübeln ob man sich verhört hat?

Zwei Erwachsene stehen am Kopfe einer Steintreppe, sie stehen da und quatschen. Ich nähere mich mit meinem Hund, ich hasse diese Steintreppe, sie ist Stein in Stein, also grau in grau, sie ist unregelmäßig in ihren Stufen. Auch mit Hund muss man sich beim Heruntergehen sehr konzentrieren.

Ich nähere mich den ersten Stufen, die Menschen sind still, sie reden kein Wort mehr. Man kennt das ja? Gaffen, gaffen, gaffen.. ich gehe die Treppe herunter, bin sogar stolz auf mich, dass ich sie zügig und gut gemeistert habe, unten lasse ich meinen Hund nach einem Lob frei gehen und höre "Nun schau dir das an, diese Krüppel müssen doch nicht sein, oder?"

Ich bin wieder einmal sprachlos! Ich drehe mich um und sage sehr klar und laut mit dem Blick in die obere Richtung zum Ende der Treppe: "Sehen Sie und deshalb bin ich froh, dass es diese wunderbaren Hunde gibt. Bei diesen Menschen.. Gott sei Dank!!"

Keine Reaktion mehr, kein Ton und vor allem keine blöden Sprüche hörte ich mehr. Stille und Ruhe!

Das sind Momente, wo ich mir wünschte, ich könnte die "Hörchen" ausschalten!

Kathrin Backhaus im Jahr 2008

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