Ich geh dann mal eben...

... außer der Reihe und in die Fremde!

Ich war mit meiner Mutter Schuhe kaufen in einem großen Sportgeschäft hier in der Schlossstrasse. Nun dann die Schuhe zu Hause angezogen und passen nicht. Ich muss sie zurück bringen. Okay, mach ich.
Termine, Termine, mal schauen, wann es geht. Ach morgen wäre es gut, stellt man abends noch so fest. Man geht ins Bett und geht schon das erste Mal in Gedanken den Weg ab und na klar, machen wir morgen.

Nach dem Aufstehen gehen die Gedanken weiter.. mal schauen, wie wir so drauf sind. Der erste Gassigang wird beobachtet im Hinterkopf. Wie bin ich drauf? Wie ist der Hund drauf? Wie sind die Leute drauf? Alles war schön und entspannt.. okay, dann packen wir mal die Schuhe in den Karton.. wo ist die Quittung?? Ach ja, noch auf dem Tisch. Das war einfach:-) die gute Frau denkt mit und hat sie noch nicht in den Ordner versenkt.

Der Hund kriegt noch was zu essen, dann kann er ruhen und ich kann noch Schreibkram machen.. dann könnten wir so um 11 oder 11:30 Uhr los.. wir gehen dann erst nochmal in den Park drüben und hoffentlich passiert da nichts. Anderer Hund oder gar Kot fressen. Na ich pack mal Tücher ein.

Alles ist ruhig, der Hund schläft und ich sitze vor dem PC. Es ist schön draußen, die Sonne scheint, die Autos fahren wie verrückt, die Busse quietschen, wie im Sommer. Es ist einfach nur schön zu Hause. Soll ich mir den Trubel der Stadt wirklich antun?? Oder gehen wir doch lieber ein andermal.. hmm, hmm. Unschlüssigkeit macht sich breit. Immer breiter.

Nein, wir machen das jetzt. Kiste aus und Sachen zusammen suchen. Hund liegt noch, aber ich glaube er schaut schon zu. Ach ja, nochmal auf Klo, auf Toilette und kämmen. Wo ist denn jetzt der Rucksack. Nebenbei sage ich dem Hund, dass er aufstehen kann.

Der Rucksack geht nicht. Der andere also. Hin und her Gemache. Ich ziehe mir die Schuhe an, ich laufe in die Küche, was wollte ich hier. Ach ja, Würstchen schneiden, als Leckerchen für den Hund. Die Tüte holen aus der Jackentasche. Der Hund läuft stets mit. Er hudelt immer mehr herum. Ich merke es. Er spiegelt meine Unruhe wieder. Backhaus fahr runter! Kann ich nicht so wirklich, ich gebe ihm Recht und lege ihn im Flur ins Platz. Er soll ruhig bleiben, er muss gleich was tun:-)

Meine Gedanken kreisen immer mehr um den Weg. Ich nehme den M85! Auf keinen Fall den Bus285, dann müsste ich ja über diese blöde große Kreuzung. Da wäre ja auch die große Baustelle von der U-Bahn. Hoffentlich finde ich den Laden gut, hoffentlich helfen mir welche. Der Park wird sicher voll sein. Wie wird der Hund sich machen. Auch im Laden. Da war er ja noch nie. Was oder wie reagieren die im Laden. Hoffentlich sind nicht so viele Hunde auf der Straße unterwegs. Aber nein, ist ja nen Sportgeschäft, was sollten die da nun dagegen haben. Ich laufe hin und her dabei, wie meine Gedanken auch springen. Mir wird warm und kalt. Ich zieh die Jacke dabei an. Ach die Leckerchen noch in der Küche. Nochmal auf Toilette. So richtig was gegessen haste heut auch noch nicht.

Den Stock noch, ach nee, ich nehme den kleinen Taststock mit. Geschirr, Kenndecke für den Park. Nee, lass ich hier, muss so gehen, wir gehen ja nur gesittet:-) wehe, Duuuuuuuu, frißt was.

Hund komm ran, Leine dran, Schlüssel bei? Ja, hab alles. Durchgeatmet und Tür auf, wir machen das jetzt. Der Hund will vorgehen. Nein, zurück.

Also nochmal sortieren und Fuß. Raus, wir gehen vor die Türe und los. Ach man, komm zurück. Ich hab den Rucksack vergessen. Na toll, fängt ja gut an. Der Hund wundert sich, ich setze ihn im Hausflur unten ab und gehe nach oben zur Wohnung.

Der Rucksack steht ordentlich im Flur. Ihn geschnappt, auf den Rücken und ach ich kann ja doch den normalen Langstock nehmen.. ich hänge den kleinen wieder ans Bord und nehme den großen aus der Ecke mit. Wieder abschließen. Immer ein Ohr im Hausflur, hoffentlich kommt keiner. Der Hund sitzt immer noch, suuuuuuuper.

Er scheint gut drauf zu sein. Innehalten, Durchatmen und los. Oder gehen wir doch nur in den Park?? na mal sehen.

Im Park macht der Hund seine Geschäfte und ich bekomme einen Anruf. Nach Beendigung rufe ich den Hund. Er war für sich, ich ärgere mich ein wenig über mich. Ich wollte ihn doch immer bei mir halten, wenn ich abgelenkt bin. Ich nehme ihn an die Leine und merke nach einer Weile einen Geruch, komisch. Kot ist es nicht. Ach du hast bestimmt wieder Erde gefressen. Oben an der Bank wird nun umgepackt. Geschirr vom Rucksack ab, Stock klein machen und in den Rucksack. Hund ins Geschirr, Leine ran und zeig mal dein Bart. es riecht. Nach was nur?? Ich krame ein Taschentuch heraus, macht sich schlecht. Muss ich mal feuchte Tücher holen. Ist hier irgendwo Wasser im Park? Gehen wir nochmal nach Hause?? Gehen wir überhaupt wieder nach Hause. Nein, nein, nein. Wir machen das jetzt. Wir können ja jederzeit abbrechen. Wenn auch noch so blöde Leute unterwegs sind. Pah, dann erst Recht.

Ich will nicht so mit den Händen ran an den Kopf, also Tuch weg und ab zum Bus. Aber wenn es sehr warm ist im Geschäft, dann riechen die das vielleicht auch??? Schauen wir mal im Bus, was da passiert oder ob ich es besser zuordnen kann, mir doch egal. Ist schließlich ein Hund. Oder doch nicht los???

Der Bus kommt, der Hund steht schon auf der Schwelle, viele Leute hinter mir. Ich höre einiges, welcher Bus ist es bitte? Der Bus 285! ich steige ein, kann ja auch nicht mehr zurück. Blöde. Wir sitzen, der Bus ist voll, na toll. Wie reagieren die Leute. Die eine da schnüffelt doch andauernd, der andere Typ da räuspert sich aber oft. Riechen die was?? Die eine geht jetzt so weg von uns. Ich bilde mir immer mehr ein, so richtig riechen tue ich nichts.

Endstation! Aussteigen, wir laufen im Fluß, draußen sind drei, vier Jugendliche, die extrem herum labern, grölen und kreischen. Spinnen die?? Ich höre nicht, wo ich bin. Der Hund will dahin, habe ich das Gefühl, ich lass ihn sitzen. Wir lassen das. Was solls. Ich lass den Hund sitzen, warte, ob die endlich abhauen. Sie albern herum, sie sprechen über den Hund, über mich!! Sie schreien wieder auf, ich fange an, laut zu reden. Sie entfernen sich, ich gebe dem Hund ein Signal zum gehen. Läuft er denen hinterher?? Äääääh, nicht. Such Ampel, such. Aha, er hat sie und die Jugendlichen gehen nach rechts. Gut so.

Nun rüber über die Kreuzung, auf der anderen Seite sucht er einen Weg. Dann laufen wir wirklich die ganze Schlossstrasse hoch bis zur Schildhornstrasse. Es macht Spaß, es ist wunderschön, der Hund guckt viel und will ab und an mal zu einem Laden rechts hin. Ich denke noch, das sind die Läden, wo wir schon mal drin waren. Ich ermuntere ihn zum weitergehen.

Es läuft gut und dann links zur Ampel. Rüber zu C&A, er wird ein wenig langsamer, weiter mein Lieber, nicht da rein. Eine Weile noch, ich höre den Sänger, der immer da auf der Ecke sitzt. Stopp! Rechts such Tür, hier müsste es sein. Bingo! Er läuft hinein, wird zögerlich, will schnüffeln, kommt zum Stehen und dreht ab. Ich merke die Rolltreppe. Guter Hund. Weiter such Schalter. Ich versuche zu Hören, ein Piepen. Irgendwas von der Kasse zu hören?? Eine Stimme ruft, Können wir helfen, wollen Sie zur Kasse? Warten Sie, ich komme mal.

Kurzum, Umtausch erfolgt oben. Wir werden zum Fahrstuhl gebracht, es wird gedrückt für uns. Der Verkäufer oben hat na klar, selber einen Hund in der Art und er bringt unermüdlich Schuhe zu mir:-) Alles ist schön und freundlich, hilfsbereit und voller Bewunderung für den Hund. Alle schätzen es schwer ein für ihn und sind stolz auf unseren Besuch. Unten an der Kasse tuschelt die eine mit einem Mann und sagt dann zu mir. Der Kollege bringt sie dann noch zum Ausgang, dann braucht der Hund nicht so suchen:-) ich lache die beiden an, raus, also raus findet der immer:-) und wir laufen los,

Ich bedanke mich für alles und freue mich auf den nächsten Besuch. Der Mann läuft hinter uns und er bemerkt auch, wie klar und schnell er den Ausgang nimmt. Ich sage nochmals danke und meine dazu, dass es wohl auch an der Luft immer läge in diesen Läden, da will jeder Hund schnell raus:-)

Stolz wie Oskar laufen wir in Richtung Bus. Gefühlte 100 Leute entschuldigen sich bei uns für ihre Unachtsamkeit, sie rempeln mich an oder versperren uns den Weg. Vielleicht jetzt noch ein Fischbrötchen von der Nordsee?? Da stoppt ja der Hund immer ein wenig, wegen der Übung in der Einarbeitung. Nein, ich kriege nichts bei ihm mit. Nur plötzlich höre ich eine Frauenstimme, da ist ja der Poseidon. Ich bleibe stehen und frage und wer ist dort? Wir sind es, aus dem Park, der Münsterländer. Wir lachen uns zu und verabschieden uns. Mein Hund hat nicht hin gewollt. Gut so, braver Hund. Wo sie doch so derart im Park gespielt hatten.

Nichts mit Fischbrötchen. Wir stehen am Bus und warten auf unseren Bus. Mein Hund legt sich hin, er ist kaputt. Tja, mein Lieber, lange wieder mal nicht hier gewesen. Ich verspüre Stolz, für ihn.. aber auch für mich. Wir haben es gepackt!

Fazit

Je mehr solche Ausflüge sind, umso einfacher sollte doch das Aufraffen sein. Ich für mich kann nur sagen, es ist schön, aber die Zweifel, Ängste und Überlegungen werden immer bleiben. Es kann zuviel dazwischen kommen, an das keiner denken kann. Das ist das Leben!

Die unschönen Situationen mit den Mitmenschen sind auch gravierender, als das ich mal einen Fehler bei der Arbeit meines Hundes bemerke. Sie schneiden mehr ein. Erst Recht wenn es sich um Personal handelt, dass im Service arbeitet. Ich weiß, ich setze da oft zuviel voraus. Wenn man bedenkt, dass z. b. jeder Bäckerreifachgeschäftlehrling in dem ersten Jahr lernt, dass ein Blindenführhund in die Geschäfte darf und wie man Blinde bedient, dann frage ich mich, warum dies nicht in allen Lehrberufen umgesetzt werden kann???

So ein Ausflug wie heute beschwingt, macht a bissl Mut und man nimmt sich vor, es öfter zu machen.

Am Abend wirken die Bilder, die Situationen und doch komme ich auch zu dem nüchternen Schluß: Was will ich in dieser Stadt? Was will ich shoppen gehen? Nein, ich kann nicht bummeln gehen. Ich kann gezielt was einkaufen gehen. Aber ansonsten hält mich nichts in dieser Stadt, in diesem Gewühl, in dieser Menge von Menschen und Geräuschen.

Erleichterung bringt gewiss ein Sehling oder der Begleitdienst von den Verkehrsbetrieben. Jedoch ist das nicht meins. Da kann ein Begleiter kommen, der langsamer läuft, der ständig alles erklärt, der ständig redet, der in die Arbeit des Hundes rein sabbelt und vielleicht dann auch noch andauernd etwas hinein interpretiert, was gar nicht da war. Und überhaupt kann es ein Mensch sein, bei dem einfach die gegenseitige Sympathie nicht gegeben ist und dann müssen wir die nächsten zwei, drei Stunden zusammen verbringen. der hat Mundgeruch oder streichelt den Hund andauernd oder hängt an meinem Ellenbogen. Was für ein Horror:-)

Nein, das ist definitiv nicht meins!! Und ich bin auch froh, dass ich heute lebe. Im Zeitalter von Internet Shops und Co.:-)

Also ihr seht, es hat mehr, als nur die Schlüssel und Jacke schnappen und mal eben in die Stadt düsen.
Es ist ein Aufwand: Vor allem was das Kopfdenken angeht, den Mut sich aufzuraffen und auch Ja zu sagen zum Loslassen, sich gehen zu lassen. Auch oft nie zu erfahren, was da jetzt eigentlich gerade war...

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