Nervenstärke beim Hund

Jeder Führhund sollte sie haben! Ein ruhiges gelassenes Wesen, Nerven aus Stahl, im Trubel der Gesellschaft gelassen bleiben, quietschende Kleinhunde desinteressiert ignorieren, knallende, zischende Geräusche nicht weiter beachten und vieles vieles mehr. Kurzum, halt Nervenstärke!

Ich erinnere mich noch an die Einarbeitung im Erzgebirge, die ersten Gehversuche im Geschirr fanden in einem ruhig gelegenen Industriegebiet statt, nach dem Feierabend dort, war es still und es erfolgten die Gehversuche auf geraden Bürgersteigen.

Ein LKW stand links von uns am Gehweg und als ich auf der Höhe des Fahrerhauses war, tätigte der Fahrer, der doch noch drin saß, die Bremslüftung. Ein zischendes Etwas direkt neben dem Hundekopf, ich erschrak, mein Hund lief weiter. Der Ausbilder war stocksauer, er war sich sicher, dass es mit Absicht erfolgte.

Bei der Einarbeitung hier in Berlin gingen wir in Steglitz über eine große Kreuzung. Mein Ausbilder suchte immer nach heiklen Situationen, auch um zu sehen, wie sich der Hund macht und ob er es gut macht. So kam es, dass er auf die Überquerung dieser Kreuzung bestand, weil auf der Gegenseite, da wo wir ankommen würden eine Baustelle war. Die Gehwegplatten wurden gemacht und der Bordstein war ersetzt durch Bretter und schmale Wege. Und es war ein Bagger am Gange.

Also gab ich das Kommando zum Überqueren und wir gingen auf die Baustelle los. Der Hund war beschäftigt in dem Gewühle den schmalen Gang zu finden und als er die vielen Kanten der Bretter anzeigen musste, knallte der Baggerfahrer über unseren Kopf die Schaufeln zusammen. Es gab ein mächtigen Knall.. mein Hund ging weiter. Auch hier war die Absicht sehr offensichtlich und mein Ausbilder tickte aus. Foto: Desto wichtiger ist der Ausgleich für die Nerven: Der Dicke und ich auf einer Kahnfahrt im Spreewald Hier bei mir am Kanal ist der Landeplatz der Hubschrauber für das große Krankenhaus. Wenn wir auf unserem Kanalweg laufen, dann läuft man genau unter der Fluglinie entlang. Oft genug laufe ich dort und der Hubschrauber startet oder kommt zur Landung zurück. Man kann sich nicht unter Bäumen oder sonstigen Dingen dem Hubschrauber entziehen. Ich bin das letzte Mal wieder überrascht worden. Ich stand keine dreißig Meter entfernt, als die Rotorblätter angingen. Ich blieb stehen, mein Hund lief weiter vorne. Er kam zurück, als er merkte, dass ich stehen geblieben bin, stellte sich an mein linkes Bein und wartete.

ich hockte mich hin und hatte meinen Arm über seinen Rücken gelegt, um besser etwas zu bemerken, Unwohlsein, Rückwärtsgehen oder was auch immer.
Der Hubschrauber ging hoch, er war etwa 15 Meter über uns, als er da stand und nicht weg flog. Mir wurde mulmig, denn ich verstand nicht, warum er soooo lange da über uns in der Luft stand. Dann fiel mir mein Langstock ein. Nicht das die denken, ich bin verletzt, also stand ich auf. Der Sog der Rotorblätter war gut spürbar und wirkte unendlich nah. Es vergingen Sekunden bis er endlich los flog. Und mein Hund? Er stand unverändert an meinem linken Bein. Keinerlei Anzeichen für irgendwas.. nur dafür, dass er endlich weiter wollte und nichts verstand.

All diese Beispiele zeigen, wie stark die Nerven von meinem Hund sind? Nun, gewiß hat er sein Phlegmar und seine Arschruhe:-) aber sie ist nicht selbstverständlich, oder?
Viele Hunde sind so "ausgestattet!, wenn sie zum Halter kommen, jedoch ist das oft genug nicht von langer Dauer, da die Halter die Hunde verpimpeln, trösten, bedauern, belatschern, zutexten und tot tätscheln.

Kurzum, sie stellen sich selber in Frage, die Situation und vor allem den Hund. Und dann wundern sich die Halter, wenn ihr Hund nach 2 Jahren deutliche Anzeichen zeigt. Klaro, auch hier gibt es Ausnahmen, wie wenn z. B. der Hund von Knallkörpern beschossen wird. Aber doch in erster Linie schürt die Haltung des Halters die Ängste des Hundes!

Ich war vorletztes Sylvester nachts um halb zwölf noch auf dem Weg nach Hause unterwegs und habe mich über mich selbst sehr geärgert. Ich war lange nicht mehr zu dieser Zeit an diesem Tag unterwegs und werde es auch nicht wieder so machen. Denn ich kann und werde es nicht verstehen, wie Menschen so sein können. Sehen einen Hund und werfen absichtlich noch mals Knaller in den U-Bahnhof, in die schönen langgezogenen Gänge, damit es noch besser hallt. Und sie finden nichts daran! Das lange Stehen an der Bushalte war erfüllt von Knallern auf der anderen Straßenseite und meinem Kopfschütteln über soviel Unvernunft. Und mein Hund zeigte sein Unwohlsein ebenfalls und dies muss man gar nicht mal den Knallgeräuschen zuordnen, nein, es kann auch der Geruch sein, nicht wahr?
Doch hätte ich in der Zukunft doch ein viel größeres Problem, wenn ich nun meinen Hund bedauern würde, ihn vollquatsche, ihn betuddel? Bin ich ihm doch lieber weiterhin, auch in dieser Situation, ein souveräner Hundeführer, der ihm Sicherheit vermittelt.

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