Kampf um Parkanlage

Ein harmloses Gespräch, was ich mit drei Damen im Park führen wollte, endete in einem Alptraum und gehört hier hin.. denn es zeigt, was alles so passieren kann mit einem Führhund und nicht alle lieben "uns" und "unsere" Hunde. Sehr viel Hass und Neid existiert auch bei den anderen Hundehaltern, die es einfach nicht verstehen wollen, warum unsere Hunde Sonderrechte haben!

Mit folgenden Schreiben wandte ich mich an den hiesigen Stadtrat, an die Polizei, an das Ordnungsamt und an die hier zuständige Schwerbehindertenvertretung

Persönlich überreicht am 21.08.2008
Stadtrat Norbert Schmidt

Fortgang nach der Beschwerde wegen unterlassender
Hilfestellung gegenüber einer blinden Person

Sehr geehrter Herr Schmidt,
mit beiliegendem Schreiben vom 14. Juli 2008 vertrat mich der Allgemeine Berliner Blinden- und Sehbehindertenverein gegenüber Polizeioberrat Berndt. Von seiner Seite wurde auch telefonisch eine Entschuldigung, was die Unkenntnis der die Berliner Polizei vertretenden Beamten in Sachen Blindenführhundrecht anbetrifft, gegenüber dem Verein ausgesprochen.

Am 15.07.08 um 11:00 Uhr traf ich mich mit meinem Kontaktbereichsbeamten Herrn Kiefer. Ich hatte mich gut vorbereitet und einiges Infomaterial mitgebracht. Er war völlig verschlossen. Er kannte den Passus über Blindenführhunde in unserer Hundeverordnung nicht, sagte aber: ...weiß ich alles ...brauche ich nicht ...wenn Ihr Hund sich fehl verhält, dann..." Das Gespräch war sehr frustrierend und es war kein Fortschritt zu erzielen. Er hatte sich nicht genügend vorbereitet und war nicht bereit, Informationen aufzunehmen. Ich prallte vor eine Wand. Er wollte noch nicht einmal mein Infomaterial annehmen.

Am 24.07.08 um ca.08:50 Uhr rief ich das Ordnungsamt in der gleichen Sache zu Hilfe, da ich widerum von den gleichen Personen belästigt und beleidigt wurde. Ich weiß nach wie vor weder, wie die Personen heißen, noch wie sie aussehen, denn ich bin gesetzlich BLIND (Info hierzu in beiliegender Broschüre "Ich sehe so wie Du nicht siehst!) Ich erkannte die Gegenseite am Ton und an den Anschuldigungen.

Die Beamten des Ordnungsamtes kamen zügig und sprachen mit beiden Parteien. "Zur gütlichen Einigung" schlugen die Beamten des Ordnungsamtes nun vor, dass ich doch zu anderen Zeiten als die Gegenseite oder aber auf einer bestimmten Seite des Parkes meinen Hund ausführen sollte. Zu diesem Zeitpunkt war die Gegenseite schon gegangen, es war also ein Vortrag, kein Vorschlag.

Im Weiteren appellierte der Herr vom Ordnungsamt an meine Vernunft sinngemäß so: "Am besten wäre es, wenn man alle Parteien an einem Tisch bekäme. Jedoch sehe ich hier von der anderen Seite keine Möglichkeit, die sind voll auf der emotionalen Schiene und da ist kein Rankommen, geschweige denn, ein Entgegenkommen zu erwarten. Seien Sie doch in dem Falle so vernünftig und gehen Sie andere Wege. Gehen Sie zu anderen Uhrzeiten. Sie haben ja einen Hund, der nicht pünktlich um sieben Uhr muss. Der kann sich das auch verkneifen auf später. Mein Ziel ist es jetzt, hier eine Einigung zu finden. Lassen wir den Damen doch die Wiese hier, da stehen sie ja sowieso nur rum."

Meine Einwände, dass ich jetzt dann mitten in Bäumen meinem Hund ein Ballspiel ermöglichen soll und wie das aussehen soll und warum auf einmal Hundehalter auf einer Liegewiese geduldet werden, waren in den Wind gesprochen, denn er hatte das bereits mit den Damen so vereinbart. Diese hatten wie gesagt, bereits den Park verlassen. Es müsse doch möglich sein, dass ich darauf eingehe, er habe keine Lust, hier jeden Tag wegen der blöden Hunde vorbei zu kommen.

Wenn mir das möglich wäre, bräuchte ich keinen Blindenführhund! Den Beamten war nicht beizubringen, dass ich nicht sehen, also auch nicht ausweichen kann, denn ich weiß nicht, wann und wo die Gegenseite im Park ist und würde die Personen auch nicht im Vorhinein erkennen.

Ich habe meinen Führhund nicht zum gelegentlichen Ausführen, sondern als Hilfsmittel, für dessen Betriebsbereitschaft ich den Park brauche (Lösen, freies Laufen des Hundes, Spiel). Erst danach kann er seiner eigentlichen Aufgabe nachgehen: Seine Aufgabe ist die Arbeit, nicht der Freilauf! Der Spaziergang im Park ist unter diesem Aspekt zu sehen. Wenn ich also z. B. nie um 9 - 10 Uhr in den Park kann, kann ich nie um 10 oder 11 Uhr einen Termin wahrnehmen. Die Welt richtet sich aber nicht nach den Lösemöglichkeiten meines Hundes und so kann die Arbeitsaufnahme meines Hundes sich nicht nach der Zugänglichkeit des Parks für eine gesetzlich blinde Person und ihren Führhund richten!

Hinzu kommt, dass ich während des Freilaufs meinen Weg ohne die Hilfe des Hundes suchen muss, denn er hat dann "arbeitsfrei". Ich bin dann sehr konzentriert auf meinen Weg und es übersteigt meine Möglichkeiten, dann bestimmte Personen zu suchen, zu bestimmen, wer das ist und gegebenenfalls wieder nach Hause zu gehen und später wiederzukommen. Genau das beinhaltet aber der Vorschlag der Beamten des Ordnungsamtes.

Am 31.07.2001 wurde mir durch Herrn Prof. Dr. Kellner im Benjamin-Franklin Universitätsklinikum Berlin-Steglitz im Rahmen einer Untersuchung für das Versorgungsamt Berlin, die gesetzliche Blindheit bescheinigt. Diese liegt im Sinne des Gesetzes vor, wenn das Gesichtsfeld des besseren Auges auf weniger als 5 Grad eingeschränkt ist. Seit diesem Tag ist vor allem die Vernunft mein ständiger Begleiter! Denn unvernünftiges Verhalten kann ich mir nicht erlauben. Ich bin kein Mensch, der ständig sein Recht durchkämpfen möchte, nicht ständig das Ordnungsamt ruft oder gar die Polizei. Es gibt so viele Dinge täglich in meinem Leben, die einen Anruf Wert sind.

Seit ich nicht mehr in den Park kann, haben meine Arme blaue Flecken bekommen und der Gang auf den Straßen mit Hund aber ohne Führarbeit ist wesentlich anstrengender. Motorräder, Fahrräder, die nicht auf Gehwege gehören. Von den falsch abgestellten Autos ganz zu schweigen, Einkaufswagen, Werbeplakatträger, Fußmatten, Briefkästen und Telefonzellen, sogar Straßendreckhaufen, die schön drapiert, alle fünf Meter auf dem Gehwegen liegen. Alles Hindernisse, die mich zwingen, meinen Hund in den Dienst zu nehmen und somit keinen entspannten Freigang für ihn ermöglichen. Ganz zu schweigen von den Straßenüberquerungen ohne Ampelanlagen!

Meinem Wunsch, eine Anzeige gegen die mich belästigenden Personen aufzunehmen, wurde nicht entsprochen, die geschilderten Vorgänge seien weder Drohung noch Nötigung noch Beleidigung, so das Ordnungsamt. Im Sinne des Gesetzes mag das zutreffen oder auch nicht, im Sinne der praktischen Anwendung ist das aber nicht richtig. Faktisch ist der Park durch das Verhalten der Gegenseite und die Reaktion von Ordnungsamt und Polizei für mich zum unberechenbaren bedrohlichen Ort geworden, in dem ich keine Möglichkeit habe mich genauso frei zu bewegen, wie alle anderen Menschen auch.

Die meisten oben aufgeführten Vergehen kann man durchaus zur Anzeige bei dem Ordnungsamt, der Polizei, bringen. Ich will das aber nicht, vielleicht liegt es auch daran, dass ich so erzogen wurde, dass ich die Polizei erst rufen soll, wenn es wirklich ernst ist und wirklich brennt. Und nun wurde ich sehr massiv bedroht und beleidigt, rufe um Hilfe und diese Hilfestellung entpuppt sich dann als belächelnder an meine Vernunft appellierender Ordnungshüter.

Soll ich wirklich mal jedes Motorrad, jedes Auto, jedes Fahrrad, jeden Werbeträger zur Anzeige bringen? Werde ich dann von der Polizei, dem Ordnungsamt mit meinen Problemen bei der Bewältigung von Straßenwegen ernster genommen? Ich will das nicht und ich verscherze es mir mit meinen mir sehr wichtigen netten Nachbarn und mit den Mitmenschen, die mir helfen, die mir sehr wichtig sind! Ich bin seit dem Vorfall am 24.07.08 nicht mehr im Park gewesen. Mein Hund schleicht nur noch auf den Straßen rum und vermisst vor allem, den morgendlichen wichtigen Lösegang mit Ruhe, Spaß und Spiel und dies wirkt sich unmittelbar auf seine Führarbeit aus!

Das Gefühl, dass da jetzt im Ordnungsamt ein Herr sitzt, der wahrscheinlich wirklich glaubt, es sei alles wieder, dank seiner Sprüche, in Ordnung da im Park ist für mich sehr unangenehm!

Herr Schmidt: Ich wende mich an Sie in der Hoffnung, dass Sie bereit und willens sind, mein Vertrauen in die Polizei und das Ordnungsamt wieder zu stärken! Bitte helfen Sie mir! Ich möchte, dass die Beamten endlich wissen, was ihre Vorschläge für eine blinde Person bedeuten und Ich möchte ernst genommen werden.

Mit freundlichen Grüßen

Fazit: Stand Sommer 2009

Durch Zufall habe ich von einer lieben Hundehalterin erfahren, dass eine der drei Frauen verstorben ist, die andere weg gezogen ist und die dritte kaum noch da ist. Mittlerweile kann ich den Park genießen, nicht so wie vor dem Vorfall, aber immerhin..

Ich hatte noch erreicht, dass das Berliner Wochenblatt einen Artikel veröffentlichte, der mir auch hier in meiner Nachbarschaft geholfen hatte. Vom Stadtrat, vom Ordnungsamt und von der Schwerbehindertenvertretung habe ich nie was gehört - keinen Brief - keine Entschuldigung - kein Hinweis, dass sie es jeh verstanden haben oder hätten! Sehr traurig, oder?

Januar 2010!

Kapitel-Übersicht "Remember - die Vergangenheit"