Der Führhund muss aus den Dienst

Aus Altersgründen den Hund in Rente schicken. Jeder Halter muss und sollte sich von vornherein damit beschäftigen: Was mache ich mit dem alten Hund? Wenn er nicht mehr arbeiten kann?

Kann ich ihn behalten? Habe ich jetzt schon Leute in meinem Umfeld, die ihn nehmen könnten/würden? Wer kann helfen? Wer hat die finanzielle Möglichkeit? Ein alter Hund kann auch finanziell eine Belastung werden und nicht jeder kann viel Geld für den älteren Hund aufbringen.

Wie sieht es aber aus, wenn ein junger oder jüngerer Führhund aus dem Dienst sollte/müsste? Er kann erkranken, er kann Probleme entwickeln, die eine Gefahr für den Halter oder auch für die anderen Mitmenschen darstellen. Der Hund stellt sich nach einer gewissen Zeit als mangelhaft dar und hat z. B. einen großen Jagdtrieb, einen Schutztrieb entwickelt. Es gibt viele Dinge, die ein Hund auch erst bei dem neuen Halter zeigt, die er bei einem Ausbilder nie gezeigt hat.

Ein Hund sitzt angebunden an einem Schild. Auf dem Schild steht: Rastplatz - bitte sauber halten! Dies sollte natürlich grundsätzlich - egal, wie verzweifelt man auch ist - nie mit einem Führhund und auch mit keinem anderen Hund geschehen! Anbinden und aussetzen an der Autobahn.
Wenn nicht eine gravierende Erkrankung diagnostiziert wird, dann kann nur einer über die vorzeitige Berentung eines Führhundes entscheiden: Der Halter!! Kein anderer ist mit ihm so verwachsen, kennt den Hund am besten und nur er weiß, wie er sich fühlt, wenn er mit ihm unterwegs ist!
Und es kann ein langwieriger und sehr schleichender Prozeß sein, den wir da durchleben, ehe wir selber zu der Erkenntnis und dem Eingestehen kommen, dass unser heißgeliebter Hund nicht mehr kann, will oder darf.

Die meisten Blinden wollen bestimmt den Hund behalten. Das ist klar. Es gibt jedoch Blinde, die nicht die häusliche Vorraussetzung haben. Ein Umzug ist nicht möglich. Die keinen haben, der sich am Tage um den Hund kümmert. Die das finanzielle nicht erbringen können. Die eine Doppelbelastung der Zweithundhaltung nicht schaffen. Die erforderliche Medikamente nicht verabreichen können. Die im vierten Stock wohnen ohne Aufzug. Die beruflich eingespannt sind. Und viele Gründe mehr, die es gibt und die man akzeptieren muss.

Jeder Halter muss für sich eine Entscheidung fällen und finden.
Geht es um schwerwiegende Mängel in der Führleistung nimmt jeder wohl erst einmal Kontakt zu dem Ausbilder auf. Leider sind viele Ausbilder keine Hilfe. Oft wird der blinde als inkompetent und nicht Hundeführertauglich abgestempelt und der Aufwand lohnt sich für die Ausbilder nicht.
Der Blinde wird allein aktiv, holt sich Hilfe von anderen in der Nähe befindlichen Hundetrainern, die kaum Erfahrung mit der Thematik haben. Und es wird das eigene Geld investiert! Dann zweifelt man immer wieder an sich selbst und an seiner Wahrnehmung. Erst wenn was passiert, was einschneidendes passiert, dann wird man wieder aktiv. Man bekommt Probleme mit den Mitmenschen. Man ist nervlich immer mehr gepackt. Das Hilfsmittel hilft nicht mehr, es wird eine Belastung. Geht man raus, dann geht man in Gefahr raus, mit Unsicherheit, mit Angst.

Der Schnauzer blickt in die Kamera. Er sieht doch gut aus oder sieht er traurig aus? Hilfe in der Selbsthilfe? Man wird doch immernoch sehr verurteilt, erntet kein Verständnis in den eigenen Reihen und wird als ein Unmensch, der ja nur das Tier als Maschine ansieht, abgestempelt. Leider! Dabei gibt es viele, die das gleiche durchmachen oder die auch im Laufe ihrer Lebenserfahrung sehr viel beitragen können und aufklären können. Die einen alten Führhund behielten und es nie wieder machen würden. Auch hier kann man durch Gespräche und Austausch untereinander helfen und für sich abwägen!

Die meisten Halter wollen den Hund in ihrer Nähe haben und vermitteln ihn sehr oft durch Mundpropaganda. So haben sie weiteren Kontakt und das beruhigt sehr.

Ich beneide alle, die die Möglichkeit haben, den Hund zu behalten und einen neuen Führhund genießen können. Wie man sich auch entscheidet, es sollte "immer" das Wohl des Hundes im Vordergrund stehen: Hunde sind anpassungsfähiger als wir Menschen!

Ich wünsche allen das Beste in dieser schweren Zeit!

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