Treppe oder Aufzug?? Das ist hier nicht die Frage.

Ich, als blinde Frau, bin mit Langstock oder Führhund unterwegs und oft genug, auch untereinander, kommt die Frage nach dem Weg.
Zum Beispiel auf Bahnhöfen für mich sehr wichtig. Wenn ich ankomme, wo lang muss ich gehen, damit ich da und da heraus komme?

Erst Recht wichtig, wenn man den Abholenden vielleicht den Weg ersparen will, einen Parkplatz suchen zu müssen.
Eher auch ein nicht so großes Problem vielleicht, wenn man mit einem Führhund unterwegs ist. Aber auch dieser muss ja erst einmal den Bahnhof kennen. Also muss ich ihm zuerst Hilfestellung geben und bei mehreren Ausgängen will man ja den richtigen haben.

Es gibt einige Seiten, wo Bahnhöfe für Blinde und Sehbehinderte beschrieben werden. Oft sind da aber auch nur Himmelsrichtungen benannt und die kann ja auch nicht jeder.

Vieles ist zu beachten und kommt dann doch noch anders

Oft genug weiß man nicht, wo man im ICE oder Zug sitzt, vorne, hinten oder mittig. An welchen Buchstaben-Abteilungen fahre ich ab, wo komme ich an??
Die Schwerbehindertenplätze sind oft an den gleichen Stellen. Aber genauso oft hört man kurz vor der Einfahrt des Zuges, dass sich die Wagenreihenfolge geändert hat. Der Schweiß wird dann schon produziert, bei dem Schweinsgalopp über den Bahnsteig und dies nicht nur bei behinderten Fahrgästen.

Dann kommt man am Zielbahnhof an. Was sagte sie, in Fahrtrichtung bis zur Treppe gehen und plötzlich landet man am Bahnhofsende und wundert sich, warum der Hund so komisch langsam läuft? Oder man ahnt nicht, wie lang so ein ICE sein kann und traut dem nicht mehr, wenn man so läuft und läuft und man das Gefühl hat, die anderen laufen einem alle nur entgegen.
Die Verunsicherung ist vorprogrammiert.

Also fragen, Leute anhalten und fragen. Doch so oft sind es Menschen, die sich selber nicht auskennen und die Auskunft ist dann derart unsicher und schwammig, dass man das auch nicht mehr macht.

Dem Hund kann man ein Kommando geben, ja klar, aber man will ja so hinaus, wie es beschrieben wurde und da sind die Beschreibungen der Treppenlage nun mal wirklich schwer. Erst Recht, wenn sie zu beiden Seiten hinunter oder herauf gehen.

Das einfachste wäre da nun der Fahrstuhl. Er steht immer gleich und egal, von wo man kommt. Der Ausstieg ist immer der gleiche und eine Beschreibung ab diesen Punkt kann nur gut gehen.

Viele Fahrstühle sind aber auch weit weg vom Geschehen. Sie sind dreckig und stinkig und man kann lange stehen, bis man mal rein kommt. Ich persönlich lehne sie ab, da ich mehr Zeit brauche für den Weg zu ihnen und das warten. Da bin ich schon längst die Treppen runter oder rauf. Ganz zu schweigen, dass ich ein eventuell hängendes Schild über eine Betriebsstörung nicht sehen würde. Dann stände ich noch eine Weile dumm herum in einer abgelegenen Ecke des Bahnhofes und würde vielleicht erst viel später von einem anderen Fahrgast die Info über eine Betriebsstörung erhalten.

Also alles gar nicht so einfach, einem Blinden den Weg raus aus dem Bahnhof zu erklären, zu beschreiben:-) und hier ist es egal, ob du selber blind bist oder nicht. Es ist vieles zu beachten bei so einer Beschreibung und vieles ist nun mal auch nicht planbar.

Was könnte denn nun helfen?

Als Stockläufer habe ich ja die Leitlinien, die sich auf den Bahnhöfen befinden. Das sind diese meist hellen Rillenplatten. Schauen Sie mal genauer hin, dann merken Sie, dass diese Linien immer an Treppen oder Fahrstühlen einen Abzweig haben. Sie sind über den Stock gut spürbar und man könnte schon in einem guten Tempo dieser Linie folgen. Wenn sie frei ist von Menschen und Gepäck.

Der Hund orientiert sich aber nicht an diesen Linien. Er wird gelernt haben, soweit wie möglich weg vom Abgrund zu laufen. So nützen mir diese Linien nichts und wenn er durch viele Menschen hindurch führen muss, schlängelt sich so ein Weg ganz schön.

Hilfreich sind für mich in jedem Falle, egal ob mit Stock oder Hund, Düfte!!
Gehe die Treppe runter, wenn du den Bäcker, Blumenladen, Wurststand auf deiner Seite bemerkst, dann halte dich links. Oder Geräusche sind auch hilfreich. So erhielt ich gerade für Braunschweig den Hinweis: Wenn du die Treppe, egal wo, herunter kommst, dann gehe entgegen gesetzt dem Lärm von der Geschäftsmeile. Du brauchst den ruhigen Ausgang.

Dem Stockläufer helfen auch noch Gegenstände, die er mit dem Stock oder Körper erwischt. Gehe den Gang entlang bis du die Blumenkübel mit dem Stock erwischt oder da stehen Ständer mit Zeitungen oder Handtaschen herum, dann musst du gleich rechts um die Ecke biegen. All sowas ist hilfreich.

Jedoch für den Hundeläufer bringen diese Beschreibungen nichts, denn der Hund läuft ja an diesen Sachen mit großen Bogen vorbei. Es sind Hindernisse, die er umrunden sollte.

Das schöne ist, wenn der Hund einige Male da war, dann hat er den besten Plan:-) und gerade auf dem Hauptbahnhof hier in Berlin, wenn wir ankommen muss ich immer wieder schmunzeln.
In einem Affentempo latscht der auf den langen Bahnhöfen gezielt zur Treppe und im Mittelgeschoß zur nächsten und schwups sind wir draußen und es ist immer wieder der richtige Platz, wo unser Bus fährt. Und allen Menschen, die wir überholen, die nach dem Ausgang suchen und stehen bleiben möchte ich am liebsten immer zurufen: Wenn Sie einen Blinden sehen mit Hund, folgen Sie dem Gespann, der Hund weiß den Weg besser, als Ihre Augen, die die Schilder suchen!

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