Verschwommen...

Immer mehr verschwimmen die Bilder. Immer weniger werden die Konturen, die Kontraste.. nicht nur auf den Bildern, nein auch in dem Sinn. Immer mehr lebt man aus den Erinnerungen, dem was man noch weiß, was man noch fühlt, wie es einst wohl mal war.

Schön reden…

Ich habe es heute doch gut. Ich kann mir vieles schön reden. Die Trauer, die Wut, der Ärger verschwimmen in die Neugierde, in das wie wäre es heute?

Wie wäre es heute gekommen oder gegangen? Werner würde heute vielleicht nur noch zu Hause sein, sitzend den ganzen Tag vor sich hin dämmernd, unglücklich über die Tatsache keine Arbeit mehr zu haben, nicht herum zu düsen.. wie würde er sich verstehen mit dem und dem? Wie würde er morgens aufstehen? Wie den Tag verbringen? Wären wir genauso viel unterwegs? Wäre er tätig.. wäre er gesund? Wäre er denn überhaupt noch glücklich?

Ich glaube und denke immer mehr, dass alles so gut war, wie es gekommen ist… Darf man das so sagen und denken? Schamgefühl macht sich immer breit, immer und immer wieder. Ist es egoistisch? Ist es vielleicht nicht normal, weil wir eben noch hier sind und die Verstorbenen nicht..

Mir hilft dieser Gedanke. Es wächst die Neugier in mir und es tut gut, denn ich kann es mir schön reden.. Ein Lächeln bildet sich und ich denke heute anders über den Tod eines nahe stehenden Menschen. Die Wut, der Ärger, die Verzweiflung schwindet und es ist schön, denn die Toten haben ein Lächeln verdient. Sie leben in mir weiter, ich kann ihr Leben in mir formen und lebendig machen. Nur ich…

Anders ist der Gedanke bei der geliebten Freundin, wie auch der Zusammenhalt zu ihr anders war. Wie die Gespräche, die Erlebnisse mit ihr, so ist auch das Vermissen und das heutige Bild ein ganz anderes. Man führt halt auch andere Gespräche mit Freundinnen und Freunden.

Und auch heute weiß ich schon, dass der Verlust eines Familienangehörigen wieder anders sein wird. Dieser war nie auf dem Platz im Herzen, wie die anderen. So wie das Zusammenleben war mit diesen, wird auch die Trauer sein. Eine andere Ebene, ein anderes Lächeln, ein anderes Erleben im Leben. Eine andere Zeit.

Akzeptieren und verzeihen

Ja, vielleicht kann man sagen, dass man nach fünf Jahren akzeptieren kann, dass man verzeihen kann. Vielleicht wandelt sich deshalb das Gefühl. Weil man nicht mehr traurig und verärgert ist, sondern annehmen kann und sich mit sich geeinigt hat. Sie sind näher gekommen, sie sind präsenter als in den ersten Jahren, so fühlt es sich an.. man fühlt eher, dass sie da sind, dass sie uns lenken und uns helfen.. das sie uns schützen und uns auf einen bestimmten Weg leiten..

Keine Ahnung, ob es so sein kann. Es fühlt sich so an und es ist schön und es hilft dabei weiter zu leben. Danke!

Kapitel-Übersicht "Indoor - was mich betrifft"