Blind Tango! Ein Workshop

Am Dienstag mittag ging es los. Treffpunkt war am S-Bahnhof und wir liefen Richtung Freilaufgelände. Die Workshopperin Frau Steinig beobachtete uns und unsere Hunde auf dem Weg dort hin und machte sich erst bemerkbar, als die Hunde frei gelassen wurden.
Da begann dann sofort der Workshop. Sie erzählte, was sie gesehen und beobachten konnte, fragte nach unseren Einschätzungen und was wir bemerkt haben.
Bei den Freilauf Situationen mit Hundebegegnungen kamen auch Fragen zu unserer Einschätzung und Vorschläge, wie wir es machen können in den Punkten, die uns angeblich störten. Wir müssen von angeblich sprechen, denn es zeigte sich doch öfter mal, dass wir etwas hinein interpretierten, was so gar nicht war.. auch wurde unser Gefühl gefordert in Punkto, wann ist der Hund wieder entspannt, wann erregt.. durch was meinen wir überhaupt, ist unser Hund erregt, Hecheln, schnelleres Laufen oder oder oder..
Wir hatten dann den frühen Abend mit weiterer Planung für den nächsten Tag ausklingen lassen. Wobei auch hier auf dem Weg ins Haus rein oder in den Garten schon Übungen gemacht wurden, wie z. b. der Hund sollte oder kann an der Leine durchaus neben mir laufen und nicht vorlaufen wollen, weil er mal eben schon mal rein gucken will:-) so gestaltete sich schon ein kleiner Weg von 10 Metern zu einer großen Herausforderung für uns. Aber durch die kleinen Anleitungen und Erklärungen ging es überraschend gut und es war umso besser umsetzbar.
Am Mittwoch den ganzen Tag mit Pausen und Ruhezeiten für die Hunde, in denen Theorie gemacht wurde und am Donnerstag ging es bis mittags.
Das eigentliche Seminar, was wir besuchen wollten in Norddeutschland hieß „Tango an der Leine“ Aber da ich wußte, dass Frau Steinig auch schon diesen Workshop besucht hatte, sprach ich sie an, ob sie das nicht hier in Berlin machen könnte. Sie hat sich dann ein erweitertes Konzept ausgedacht, eine Mischung, wir denken mal „Blind Tango“ in englisch betont, traf es:-) oder halt Blind Schneewalzer:-)
So haben wir Charakteranalysen, Persönlichkeiten der Hunde durch Anfassen und Bewegung an der Leine erfassen dürfen. Die Hunde wurden getauscht, so dass man so viele verschiedene Varianten hatte und somit Erfahrungen außerhalb des eigenen eingespielten Teams machen konnte.
Wir haben Kooperationsbereitschaften getestet und auch bei führen und folgen erleben dürfen, wie unterschiedlich die Hunde reagieren. Und hier ist nicht das führen an der Leine oder gar im Geschirr gemeint!!! Nein, das ist es nicht. Der ganze Workshop ging nur um das private Miteinander! Womit ja bekanntlich alles anfängt:-) wenn es da nicht stimmt, stimmt auch die Führarbeit nun mal nicht.
Die süße Debbie Maus wird ja nun bald 11 Jahre alt und Jeanette war es ein großes Bedürfnis, da sie Debbie ja vom Grundsatz her in jedem Falle behalten möchte, dass sie ein entspanntes altes Mädchen an der Leine haben möchte. Sie soll halt auch nicht mehr in die Führleistung zurück fallen an der Leine..
Und so waren dann auch die anderen Übungen draußen im Straßenland am Donnerstag alle auf das gepohlt. Backi ihrerseits hatte das Bedürfnis bei ihrem jungen Hund die Wogen ein bisschen zu glätten. Da aber die Übungen so universell sind, wurde aus den scheinbaren Gegensätzen das ziehen an einem Strang. Ein sich zurück nehmen in der Sache und dies nicht lautstark oder gar mit Leinendrill, sondern nur körpersprachlich.. in Ruhe und gewiss auch in harmonischer Bewegung. Und es funktionierte. Irre.
Ich war den Tränen schon nahe, als ich Jeanette und ihre Hündin da so miterleben durfte.. man denkt doch nach so einer langen gemeinsamen Zeit, dass die Hunde so, wie soll ich sagen, abgestumpft seien, was unsere Körperhaltung und Körpersprache angeht.. Wir bücken uns ständig mal über sie oder wenn wir nicht wissen wo sie sind, laufen wir nach vorne gebeugt oder ganz streng.. Denkste! Die alte Hütehexe hat sofort und als wenn es das selbstverständlichste der Welt war, auf jede noch so kleine Hüftbewegung bei Jeanette reagiert.. ich habe mich so gefreut darüber und Debbie hat diese Tanzaufforderung auch so gerne angenommen. Echt klasse und für die beiden ein super Weg..
Backi hat es mit den gleichen Übungen geschafft ihren großen Jungen einen Weg zu zeigen, wie er sich zurück nehmen kann. Faszinierend, wenn ich bedenke, dass sie den zweiten für Hund aber am Beginn der Gespannzeit ist und ich mit dem ersten für Hund so ziemlich gegen Ende der Gespannzeit bin. Verschiedener könnte das wirklich nicht gewesen sein.
Wir haben dann auch die Persönlichkeiten und Charaktere der Hunde und Halter verglichen und haben sehr schnell bei dem Ergebnisgespräch festgestellt mit Lachen: Debbie, die einfach die Nähe nicht so mag und eine höhere Individualdistanz für sich möchte und Jeanette, die es eigentlich auch nicht gleich so nahe mag, war ein Beispiel.. Oder mein Rüpel, der offen und taramtara auf alles zugeht und Hände liebt und ich, die damit auch keine Probleme hat und offen auf Fremde zugeht, passen ideal zusammen..
Ein 9 Monate altes Flat Bordermix Mädchen und ein gleich altreger Pudel waren noch dabei.. so einen stocksteifen scheinbar sturen Kerl hatte ich noch nie unter den Hunden mit einer LMAA Einstellung, einfach nur göttlich.

Fazit

auch als blinder Mensch kann man in einem für uns aufbereiteten Rahmen lernen, seinen Hund mit seiner eigenen Körper Sprache zu beeinflussen. Versucht man dieses bewusst zu lernen und einzusetzen, hat man eine unglaubliche Chance seinen Hund besser und differenzierter wahrzunehmen als vorher.
Die einzelnen Übungen nun für euch zu beschreiben, ist nicht von Vorteil, da man auf viele Dinge dabei achten müsste.. ich kann einen Hund von mir, wenn er zu übergriffig ankommt, elegant mit einer Hüftbewegung von mir weg schicken.. aber ich muss anschließend auch eine einladende Geste machen, damit der Hund nicht in einen Konflikt kommt und diese Dinge, worauf man da achten sollte, sind sehr komplex in der Beschreibung.
Es gibt gewiß viele Trainer die so arbeiten und die das auch euch beibringen können.. oder ihr überlegt auch mal in einer kleinen Gruppe sowas in einem Workshop zu machen:-)
Jeanette und ich können nun wirklich ohne jegliche Lautäußerungen oder zupfen an der leine einfach mal durch unseren Körper an unseren Hunden bemerken, ob und wie tief sie bei uns sind oder ob sie da vorne irgendwas ablenkt und das kann bei weiteren täglichen Training so fein werden, dass es kaum sichtbar ist für andere Menschen.

Unser Dank geht somit an Frau Steinig für diesen tollen Workshop! Sie war präsent, einfühlsam, offen, lustig und hat uns in allen Dingen ernst genommen! Vielen herzlichen Dank dafür! Und auch ein großes Dankeschön an die tolle Köchin:-) und den charmanten Ehemann

Jeanette Klein mit Debbie und Backi mit Poseidon erzählten dies.

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