Artikel aus der Berliner Woche

Blindenhunde haben Sonderrechte
Hundehalterin ärgert sich über Unwissenheit von Parkbesuchern

Steglitz. Kathrin Backhaus ist blind. Um sich ein Stück Selbstständigkeit zu bewahren, braucht sie einen Blindenführhund. Aber wenn die Frau ihrem Hund den, notwendigen Auslauf im Park gewähren will, gibt es Ärger. Nicht jeder hat Verständnis für die Sonderregelungen für Blindenhunde.

Der schwarze Riesenschnauzer führt sicher die blinde Frau um eine Baustelle auf dem Fußweg. Bei jedem Hindernis bleibt der Hund stehen und zeigt so seiner Halterin, dass es hier eine Barriere gibt.

"Ich kann mich auf meinen Hund hundertprozentig verlassen. Manchmal bekomme ich eine Gänsehaut, wenn ich merke, wie souverän das Tier die Situationen bewältigt", sagt Kathrin Backhaus.

Seit vier Jahren ist der Vierbeiner ihr ständiger Begleiter, "Ein Traumhund", schwärmt die 41-jährige Frau, die an einer Netzhauterkrankung leidet. Durch Zerstörung der Sehzellen beträgt ihr Gesichtsfeld nur noch zwei Grad, bei gesunden Menschen sind es 120 Grad.

Der Riesenschnauzer ist ein wichtiges Hilfsmittel für die blinde Frau. Aber er ist auch ein Lebewesen und kein weißer Stock, den man in die Ecke stellen kann. Wenn Kathrin Backhaus dem Hund das Geschirr mit dem Bügel anlegt, beginnt für ihn die Arbeit. Harte Arbeit, denn der Hund muss hochkonzentriert sein, Hindernisse verweigern, Ampeln und Bushaltestellen finden. Als Ausgleich dafür braucht er seinen Auslauf. Bislang konnte Kathrin Backhaus ihren Hund im Schloßpark Lichterfelde frei laufen und spielen lassen.

"Die liebste Zeit ist zwischen 7 und 9 Uhr. Da ist der Park noch relativ leer", sagt die blinde Frau. Doch seit einiger Zeit geht sie nur noch ungern in den Park, der in der Nähe ihrer Wohnung liegt. Grund sind die Anfeindungen von einzelnen Parkbesuchern, die beleidigend und aggressiv auf den frei laufenden Hund reagieren.

"Nimm die Töle weg", sei noch ein gemäßigter Ausruf. Dabei genießt ein Blindenhund Sonderrechte. Das aber wissen viele Parkbesucher offensichtlich nicht. Wiederholt kam es zu Auseinandersetzungen, so dass Kathrin Backhaus das Ordnungsamt und die Polizei zu Hilfe holen musste. Doch auch hier erhielt sie keine Rückendeckung. "Ich war erschrocken, dass auch bei der Polizei die Sonderrechte eines Blindenhundes nicht bekannt sind. Ich bin auf keinerlei Verständnis gestoßen", so Backhaus.

Die Polizei winkt ab: "Wir sind nicht zuständig", heißt es aus der Polizeipressestelle. Es sei Aufgabe des Ordnungsamtes, die Umsetzung der Leinen-Pflicht zu kontrollieren. Allerdings, so räumt der Pressesprecher ein, seien die Beamten da, um Streit zu schlichten. "Eine Anzeige wegen Beleidigung hätte sehr wohl aufgenommen werden müssen", sagt er.

Inzwischen würde sich die Polizei gar nicht mehr in den Park bemühen, wenn es zu Auseinandersetzungen kommt. Lediglich die Mitarbeiter des Ordnungsamtes kommen, wenn Frau Backhaus um Hilfe bittet. "Wir wissen, dass Frau Backhaus im Recht ist und überlegen, wie wir helfen können", sagt Thomas Mertens, Leiter des Ordnungsamtes. Er denkt darüber nach, eine Bescheinigung zur Legitimation auszustellen.

Eine Lösung des Problems ist das für Kathrin Backhaus nicht. Kathrin Backhaus: "Nur eine umfassende Aufklärung hilft. Führhundhalter wollen sich nicht ständig streiten oder ihre besondere Situation erklären müssen. Wir wollen im Alltag akzeptiert werden. Dazu müssen die Behörden ihre Mitarbeiter entsprechend schulen."

Karla Menge

***Anmerkung von mir:***
Es ist schon traurig und auch schade, Frau Menge hätte mich informieren sollen über die Aussagen der Polizei, aber vor allem, über die Stellungnahme vom Ordnungsamt Herrn Mertens, denn er braucht sich keine Gedanken über ein Schreiben zu machen, über ein Erlaubnis oder Sonderrechtsschreiben.. es steht alles in der Hundeverordnung drin!!

Dies wurde bestimmt gemacht, damit die Ordnungsämter sich mit wichtigeren Dingen beschäftigen können:-) und wir haben inzwischen 2010 und bis heute habe ich keinerlei Schreiben oder Ansprachen von dem Ordnungsamt bekommen!

Kapitel-Übersicht "Öffentlichkeit und Presse"