Charly findet immer den Weg!

Ihr Blindenhund findet immer den Weg für Sie

Eigentlich wollte Kathrin (47) Pferdewirtin werden. Doch eine Augenkrankheit veränderte ihr Leben dramatisch. Heute bekommt sie tägliche Unterstützung von einem Blindenführhund.

Dass etwas nicht stimmte, fiel als erstes ihrer Mutter auf. Kathrin ignorierte deren Bitten ihr eine Sache zu geben oder ließ "aus Ungeschicktheit" etwas fallen. "Meine Mutter dachte, dass ich bockig sei weil ich nicht auf sie höre. Recht spät hat sie gemerkt, dass ich bestimmte Dinge einfach nicht sehe und ich sie ihr deswegen beispielsweise nicht anreichen kann." Schließlich schickte ihre Mutter Kathrin zum Arzt. Sie war 16 als die Diagnose eines Arztes die traurige Klarheit brachte: Netzhautdegeneration. Sie würde in den nächsten Jahren ihr Augenlicht fast vollständig verlieren teilt der Arzt ihr sachlich mit. Guten Rat erhielt sie von ihm jedoch nicht.

Ihre Reaktion war die eines trotzigen Teenagers: "Ich machte nun erst recht alles, was ich laut Arzt nicht durfte und schnappte mir sofort mein Rad und fuhr los. Auch Rollschuh bin ich weiterhin gelaufen." Ihren Traum als Pferdewirtin zu arbeiten konnte sie aber nicht verwirklichen. Deswegen ließ sie sich zu einem Beruf ausbilden, den viele Blinde ausüben: Masseurin.

Heute ist Kathrins Blickfeld so groß wie ein Stecknadelkopf. Wenn sie nach draußen möchte, ist sie auf Hilfe angewiesen. "Früher bin ich mit einen Blindenstock hinausgegangen. Heute mit meinem Charly," sagt sie. "Mit Hund bewege ich mich viel sicherer, als mit einem Stock. Auch kann ich dann mitten auf dem Bürgersteig gehen und brauche mich nicht am Rand entlang zu tasten." Nachdenklich fügt sie hinzu: "Man fühlt sich dann auch viel mehr als Teil der Gesellschaft, wenn man nicht immer so am Rand vorbeischleichen muss."

Um eine Schranke führt sie Charly vorsichtig herum Charly zeigt ihr alle Stolperfallen an. "Das kann ein Rad, eine Baustelle oder eine Bordsteinkante sein," so Kathrin. Das Verhältnis von den beiden ist sehr eng. Blindenhunde sind unglaublich sensibel. "Wenn die Bindung da ist bekommt der Hund viel mit. Die Chemie zwischen Charly und mir stimmte sofort," so Kathrin. Wenn die 47-Jährige draußen wegen eines neuen Hindernisses ängstlich ist - spürt der Hund dies sofort. Dennoch darf er sich nicht verunsichern lassen und muss stur seinen Weg gehen, um sie nicht zu gefährden. Er hilft ihr sicher über die Straße zu gehen und hat ein exzellentes Ortsgedächtnis. Der Hund findet immer nach Hause. "Such den Weg zurück," ist das Einzige was Kathrin sagen muss und schon läuft der Riesenschnauzer in Richtung Heimat. Zu Hause darf Charly dann ausspannen und muss nicht ständig auf Kathrin und ihre Bewegungen achten. Sie lässt ihn ganz bewusst entspannen. "Ein Hund muss auch mal Hund sein dürfen. Mein Charly arbeitet ja jeden Tag schon genug."

Auch ein wildes Stöckchen-Spiel ist erlaubt, damit er sich frei machen kann, von seiner Arbeit. Auch wenn Kathrins Leben nicht nur von Sonnenschein geprägt ist, so nimmt sie jeden Tag als neue Herausforderung an. "Es gibt Schlimmeres als nicht sehen zu können. Ich habe die Bilder im Kopf und bin aufmerksam durch die Welt gegangen. Ich habe 22 Jahre lang mehr gesehen, als viele andere. Diese Bilder kann mir niemand mehr nehmen."

Infokasten Blindenführhund

Jede Rasse ohne Jagdtrieb kann zum Blindenführhund ausgebildet werden. Ein Blindenführhund muss gesund sein und Nervenstärke beweisen. Bei Lärm und auch bei Ablenkung durch andere Menschen darf ein Blindenführhund nicht schwach werden.

Verhalten gegenüber Blindenführhunden

Keinesfalls dürfen Blindenhunde angesprochen oder gar gefüttert werden. Blindenführhunde müssen sich stark konzentrieren, um ihre Arbeit zu tun. Von ihren Tätigkeiten hängen Menschenleben ab - z. B. beim Überqueren der Straße.

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